Vermaisung meiner Heimat Niederbayern


Ich fahre mit meinem Gast durch unsere Heimat von Landshut nach Passau, mal durch das Isartal, an der Vils und Rott entlang, da lobt mein norddeutschen Beifahrer, „ihr habt es hier aber schön, alles grün, sanfte Hügel, schöne Orte, rundum eine gepflegte Landschaft“. „So ist es“, antworte ich, „schiebst Du ein Paddelboot an der alten Mühle in Reisbach in die Vils, dann kannst Du das Paradies sehen“. Zugeben, stolzer Nieberbayer, Landwirt seit Generationen bei Geisenhausen, darf auch mal gegenüber einem Nordlicht übertreiben. Was der nicht sieht, ist der Schaden in unserer Heimat, die Vermaisung Niederbayerns. Ich sage das so hart, weil ich als Landwirt mit konventioneller Milchwirtschaft, davon stark betroffen bin. In unserer Gegend kann man kaum noch einen Hektar Land dazupachten oder gar kaufen, weil der Hektar für den Maisanbau bereits mit 700 bis 800 Euro gehandelt wird. Maismonokulturen, soweit das Auge reicht, für die Beschickung der hochsubventionierten Biogasanlagen.

Ein Nachbar baut auch gerade eine. Er meint, trotz hoher Verschuldung, das rechnet sich, der Staat buttert noch genügend dazu. Direkt sagt er es nicht, würde sich aber freuen, wenn ich ihm mein Land überließe und mich zur Ruhe setzen würde. Rechnet sich das für mich? Nein, ich will noch meine Heimat sehen, wie sie um meinen „Einödhof“ ist. Meine Kinder und Enkelkinder sollen noch mein Niederbayern sehen. Meinen Bauern möchte ich sagen, stoppt diesen Wahnsinn der Preistreiber des Bodens, der Monokultur, der Zerstörung der Landschaft, das Auslaugen der Ackerflächen. Nach 10 Jahren, wenn der Boden auch normalen Mais nicht mehr verträgt, schreit ihr Energielandwirte dann nach Genmais? So geht es nicht weiter.

Und liebe Politik, liebe bayerische Staatsregierung, liebe CSU, wenn schon Biogasanlagen, dann füttert diese mit den Bioabfällen der Gemeinden. Mein Bürgermeister schimpft über seine Partei, Seehofer und die ganze EU. Wir haben in der Gemeinde so viele Bioabfälle, daß wir damit die Biogasanlagen in der Gemarkung leicht  füttern könnten. EU Vorschriften verbieten das aber. Ich weise ihn auf die vielgepriesene Subsidiarität hin. „Nichts ist damit, die EU will uns sogar in die Ausgestaltung unserer freien Feuerwehren reinreden“, pulvert er vor sich hin. Bund Naturschutz! Dem Leser, insbesondere den Nichtlandwirten, empfehle  ich auch mal bei Google einzugeben: „Die Vermaisung der Landschaft!

4 responses to this post.

  1. Posted by Irmgard Kopp on 11. Juni 2013 at 19:35

    Ausgezeichnet! Bin zwar keine Landwirtin, sehe aber mit Schrecken die riesigen Maisfelder und die übrigen Monokulturen. Wann schließen sich endlich die „mündigen Bürger“ zusammen und sagen Brüssel, was sie wollen und vor allem, was nicht!

    Antworten

  2. […] Das ist eine richtige Forderung, die hier der WWF stellt: “Kein Steuergeld für Monokulturen“.  So darf es nicht weitergehen: “Die Vermaisung meiner Heimat Niederbayern“ […]

    Antworten

  3. Überall sieht man sie aus dem Boden sprießen, jene an mongolische Zeltlager erinnernden Bio-Gasanlagen, umgeben von Maisfeldern, die bis zum Horizont reichen. Auch meine Heimat, Brandenburg, bildet da keine Ausnahme und jedesmal, wenn ich an diesen öden Monokulturen vorüber fahre, packt mich die blanke Wut, über die Zerstörung heimatlichen Bodens. Wo ist der Weizen, der Hafer, der Roggen? Nur noch als Billigimporte aus Drittweltländern zu haben, die die Preise derart nach unten treiben, daß kaum ein Bauer es sich noch leisten kann, traditionell zu wirtschaften. Wenn Sie sich dem als einzelner Bauer entgegenstellen, spreche ich Ihnen hiermit meinen größten Respekt aus.

    Mit besten Grüßen und Wünschen für die Zukunft!

    Antworten

  4. Posted by Suum Cuique on 9. September 2012 at 19:10

    Nach der Zerstörung der Städte, dem Verschwinden architektonischer Kulturgüter, ist nun die Landschaft dran. Zur Vermaisung der Felder gehören zwingend auch die „Windparks“ mit ihren kaum malerisch zu nennenden Windrädern. Gleichzeitig gehören zu jedem Hektar Wald der obligatorische Waldparkplatz und der Grillplatz – in einem Land, flächenmäßig so klein wie Italien aber mit fast einem Drittel der Einwohnerzahl der riesigen USA.

    Die Deutschen werden seit Jahrzehnten dahin erzogen, ihr (?) Land, von dem jedoch bemerkenswert wenige Deutsche etwas besitzen, nur noch rein funktional zu sehen. Deutschland ist ein „Wirtschaftsstandort“ und die Deutschen haben darin ihren Platz als „Human „Capital bzw. sind als Bestandteil des „Human Resource Accounting“ ein mehr oder (meist) weniger hoch taxierter Vermögenswert. Darüber hinaus eventuell auch noch als Organspender zum Ausschlachten verwertbar.

    Wie die Mitarbeiter einer Firma versieht man die Deutschen in der Bundesrepublik mit einem „Personalausweis“, auf dem kurioserweise die Nationalität – „Deutscher“ – vermerkt, aber nicht eine Staatsangehörigkeit bezeichnet ist; kein Staat mithin genannt wird, der ihnen Schutz bietet und ihnen zu ihrem Recht verhilft.
    Das Personal der BRD hat zu schuften – unter anderem im größten Niedriglohnsektor Europas – und dabei eine Abgabenquote von über 50% seines Verdienstes zu leisten. Diejenigen, die durch das Beschäftigungsnetz fallen, weil sie zu jung oder zu alt, zu wenig oder zu sehr qualifiziert sind – oder aber weil man sie ganz einfach nicht braucht, werden als wertlos aussortiert und „sozialverträglich entsorgt“. Ähnliches wird in der industriellen Massentierhaltung der BRD praktiziert.

    Der „Wirtschaftsstandort Deutschland“ ist ein einziges Firmengelände. Für das „Führungspersonal“ gibt‘s die üblichen Annehmlichkeiten: man residiert luxeriös, es stehen Pool, Sauna, Golfplatz und andere tolle Dinge zur Verfügung (die auch von einem gewissen Herrn Hartz fleißig genutzt wurden) und es wird viel getan, damit das Führungspersonal unter sich bleibt. Ja, nicht einmal jeder angebliche „Vorstandsvorsitzende“, auch „Präsident“ genannt, hat unbedingt zu allen Bereichen der Führungsetage zutritt, wie ein kürzlich in den vorzeitigen Ruhestand versetzter Inhaber diesen Postens und seine „First Lady“ konsterniert feststellen mußten.
    Man ist leicht ersetzbar in der BRD GmbH. Das weis auch das mittlere Management und es tut deshalb alles, um nicht anzuecken. Man katzbuckelt nach oben und tritt nach unten.
    Die Tritte hat der überwiegende Großteil des Volkes einzustecken. Nach den Vorgaben der Firmenleitung konditioniert, hat es zu funktionieren – und es funktioniert. Es funktioniert so gut, daß es sich oftmals der Stupidität seines Daseins nicht einmal mehr bewußt ist.

    Am funktionalen Industriestandort Deutschland herrscht nur noch wenig Produktivität.
    Ob daher ein Herr Heine auch heute noch sich zu diesen Versen hinreißen lassen würde?

    „Wir weben emsig Tag und Nacht –
    Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
    Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
    Wir weben, wir weben!“

    Die Weber einst wußten wenigstens noch für welches Land sie lebten und webten. In der BRD GmbH herrscht selbst darüber keine wirkliche Klarheit mehr.

    Antworten

Schreibe eine Antwort zu joermund Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s