Deutsch verschwindet auch als Wissenschaftssprache an unseren Hochschulen


Es ist schon erschreckend wie hier die Zeitung „Die Welt“ den Zustand der deutschen Hochschulen beschreibt. Die deutsche Sprache hat als Forschungssprache ausgedient! Ganz hoffnungslos ist es dennoch nicht mit Deutschland gestellt, wenn man solche Leserkommentare liest (wörtlich zitiert) :

„Alles was mal ein Minimum meiner Identität und meines Selbstgefühls ausmachte, wird nach und nach demontiert, verteufelt oder lächerlich gemacht. Ob die deutsche Sprache, die Familie, die Arbeit, die deutsche Kultur… mir bleibt da nichts mehr, obwohl ich mich nicht einmal als sonderlich national einschätzen würde.“

Das neue Niedersachsenlied der „konservativen“ CDU heißt deshalb auch dem Zeitgeist angepasst „I’AM A MAC“ ! Waren das noch Zeiten als auf jedem Schützenfest und den Parteiveranstaltungen vom Harz bis zur Küste das Niedersachsenlied erklang: „Eine feste Burg und Wehr, fest wie unsre Eichen, halten allezeit wir stand, wenn Stürme brausen übers deutsche Vaterland. Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen. Heil, Herzogs Widukinds Stamm!“  Ob die Schüler in Niedersachsen es noch lernen und singen?

One response to this post.

  1. Posted by Suum Cuique on 27. Januar 2013 at 17:01

    Der Rang einer Sprache wird im wesentlichen dadurch bestimmt, wie gut man sich in ihr gedanklich bewegen kann.
    Friedrich der Große bediente sich mit Vorliebe des Französischen, weil diese Sprache in ihrer Zeit die strengsten orthographischen und grammatikalischen Regeln besaß; in ihr sich also am treffendsten formulieren ließ.
    1635 entstand unter König Ludwig XIII. die Académie française. Ab 1694 erscheint der Dictionnaire de l’Académie in welchem verbindlich die Regeln und Schreibweisen der französischen Sprache festgelegt sind. Seit dieser Zeit erlebte der Dictionnaire nur neun Neuausgaben, die letzte 1994. Die Regeln des Französischen sind in mehr als dreihundert Jahren weitgehend unverändert geblieben. Sprache und Geist eines Fénelon bestimmen immer noch die französische Denkweise – nicht zuletzt auch in der Politik.

    Die deutsche Sprache erhielt ihren Rang als Wissenschaftssprache erst im neunzehnten Jahrhundert mit der Industrialisierung Deutschlands und der Schaffung des Deutschen Kaiserreichs. Deutsch bekam Form und Gestalt. Konrad Duden und Lutz Mackensen legten die Grundzüge der deutschen Sprache – nicht immer deckungsgleich – zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts fest.
    Wie in Frankreich wurde die deutsche Sprache damit auch zu gelebter Politik. Die Deutschen erhielten erstmals die Möglichkeit in ihrer eigenen Sprache ein komplexes politisches und gesellschaftliches Modell zu erstellen. Ob Bürgerliches Gesetzbuch oder der Versuch einer überzeugenden historisch-philosophischen Morphologie bei Oswald Spengler – im Deutschen ließ sich in dieser Zeit von der Vision über den Plan bis hin zum Konkret-Gegenständlichen alles darstellen, was Zivilisation, Staat und Gesellschaft ausmachte.
    Wie in Frankreich, entstand eine an den Staat gebundene Sprache. Mit dem 1919 eingeleiteten Untergang deutscher Staatlichkeit schwand auch der Rang der deutschen Sprache.

    Unbewußt haben sich die Deutschen längst mit der Nachrangigkeit ihrer Sprache abgefunden. Der Deutsche setzt ganz selbstverständlich deutsche Städtenamen oft nur noch in Klammern – Szczecin (Stettin) – auch wenn er den fremden Namen nicht einmal richtig aussprechen kann. Im Deutschen gibt es eine Vielzahl von Formulierungsverboten und nicht minder viele Fremdworte, so daß Deutsch wieder dahinter zurückgefallen ist, wo es einst bei Friedrich dem Großen und dem von ihm initiierten „Allgemeinen Landrecht“ als „Denksprache“ (seit dem Sachsenspiegel erstmals wieder als Juristensprache zur Geltung kommend) seinen Ausgang nahm.

    Eine Sprache ist – das beweist auch das Englische – an die politische Bedeutung einer Nation gekoppelt. Eine reine „Dichter- und Denkersprache“ führt nur ein Nischendasein – und sei sie noch so schön.
    Mit der Bundesrepublik wird die deutsche Sprache auch kaum mehr irgendeine Bedeutung in der Welt in Zukunft haben, denn die Sprache ist immer auch politische Manifestation.

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