Kalenderblatt 20. Mai: Magdeburger Hochzeit


Das vergessene Leiden Deutschlands!

2 responses to this post.

  1. Posted by Suum Cuique on 20. Mai 2014 at 17:27

    Zur ersten Belagerung Magdeburgs:
    „Unseres Herrgotts Canzlei. Eine Erzählung in zwei Theilen. Von Wilhelm Raabe.“ 234 Seiten. George Westermann, Braunschweig 1862 – die Geschichte der Belagerung der Stadt an der Elbe vom September 1550 bis zum November 1551. Ein literarisches Schlüsseldokument, um den Charakter dieses Ortes zu verstehen.

    Dann die „Magdeburger Hochzeit“ unter Tilly, 1631, in habsburgischem Namen vollzogen – Bella gerant alii, tu felix Austria nube -, die im größten Massaker in der deutschen Geschichte bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gipfelte. Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ hatte sich an diesem Punkt moralisch selbst erledigt. Ihm mit schwarz-rot-goldenem Trauerflor zu gedenken, ist alles andere als gerechtfertigt.

    1635 bereits wurde der Prager Frieden zwischen den protestantischen und katholischen Reichsständen sowie dem Kaiser geschlossen. Zum ersten Male in der deutschen Geschichte wurde ein Krieg beendet, der noch lange nicht zuende ging.

    So wurde auch Magdeburg 1636 während dieser dreißig Jahre ein zweites Mal belagert. In dem frühesten deutschen Roman „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“, heute meist „Simplicius Simplicissimus“ genannt, von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen wird darüber berichtet, und auch von den Hexenverbrennungen, die die Belagerer der Stadt unter ihren Mauern veranstalteten. Belagert wieder von kaiserlichen und diesmal kursächsischen Truppen.

    Magdeburg, der Mägde Burg, die jungfräuliche Stadt, geschändet und stark genug gewesen, alles zu überleben, wie die Menschen in Grimmelshausens Roman.

    1646-1678 war der geniale Otto von Guericke Magdeburger Bürgermeister. Er war nicht nur Erfinder der Kolbenluftpumpe und bewies nicht nur die Macht und Kraft, die Inhaltslosigkeit zusammenpreßt, er initiierte auch den barocken Wiederaufbau der Stadt. Trotz der Pest von 1681-1682 ging es wieder aufwärts. Protestanten aus Frankreich und der bayerisch gewordenen Pfalz wurden in Magdeburg angesiedelt. Die Stadt wurde nicht nur zum Barockjuwel sondern auch zu Preußens stärkster Festung.

    Am 16. Januar 1945 sank die Stadt nach einem britischen Bombenangriff in Schutt und Asche, und mit 1. Juli 1945 wurde Magdeburg als demokratische Morgengabe von den Briten an die Sowjets übergeben.

    Das Schicksal hat es, trotz immer wiederkehrender glücklicher Tage, nicht gut gemeint mit dieser Stadt, sodaß es durchaus als Parabel für die gesamte deutsche Nation zu verstehen ist.

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    • Simplicius Simplicissimus war mein erstes geschichtliches und politisches Buch, das ich so mit 15 Jahren komplett gelesen habe. Der grauenvolle Krieg, der dort geschildert wird, prägt mein Handeln und meine politische Einstellung bis heute.

      Es grüßt Sie, lieber S.C., J.H. aus Niederbayern!

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