Notfallstation


Rotes Kreuz, Hilfe, Erste Hilfe, Box, MedizinischeEs heißt doch, wenn man eine Reise macht, dann kann man was erzählen. Auch wenn sie nur mit Blaulicht in die nächste Notaufnahme eines Krankenhauses führt. In der Regel sind unsere Krankenhäuser so eingerichtet, daß die Zimmer nur mit zwei Betten belegt sind. Unmittelbar vor mir wurde auf der Seite A ein Pole, Fernfahrer, eingeliefert. Plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen im linken Arm, Herzproblem? Er konnte kein Wort deutsch sprechen, den Schwestern gelang es, einen polnischen Kollegen das Fahrers aufzutreiben, der übersetzte.  Nach allerlei Untersuchungen war der Fernfahrer aber wieder fit und wurde mit entsprechenden Papieren nach Hause entlassen. Sein zuhause war zunächst nur sein Lastwagen. Ich konnte ihm entlocken, daß sein Wohnort etwa 30 km östlich von Görlitz liegt. Ich verabschiedete mich mit den Worten, dann sind wir beide Schlesier, ich ein halber (mein Vater war Gleiwitzer) und Sie ein ganzer polnischer. Aber das deutsche Wort für Schlesien hatte er nicht verstanden.

Am nächsten Tag schoben die Rettungssanitäter, übrigens Dank und Respekt an diese Fachkräfte, einen alten Mann im sehr desolaten Zustand rein. Die Schwestern und Ärzte begrüßten ihn wie einen alten Bekannten. Sie sprachen diesen Menschen in Windeln, nicht mehr sprechend können, nur noch röchelnd, respektvoll mit Herrn K. an.  In seiner Begleitung seine Frau, ein Sohn und die Schwiegertochter, die alles den geduldig fragenden Krankenhauspersonal erklärten. Es waren Russlanddeutsche. Auch um diesen alten Mann kümmerten sich die Schwestern liebevoll, alle zwei Stunden wurde er gedreht, ständig wurden die Windeln gewechselt, die Apperaturen liefen auf Hochtouren. Mittags kam das alte Mütterchen nochmals mit pfiffigen Strohhut. Sie ging zum Bett ihres Mannes, streichelte ihn und sagte in einem altdeutschen Dialekt, „mein Schatz, Gottlieb, mach doch wenigstens die Augen auf, hier ist deine liebe Frau.“ Mich, seinem Bettnachbar, berührte diese kleine Szene sehr. Ich bot der alten Dame an, ein Auge auf ihren Mann zu werfen. Darauf sprudelte sie los, sie sei mit Gottlieb (ein sehr häufiger Name um die Jahrhundertwende 1800, dazu noch Gottlob oder Gottfried – so ein Sterbebuch aus einer sächsischen Kleinstadt) schon 61 Jahre verheiratet. Ihre ganze Familie stammt aus Friedensthal, einer Gemeinde in der russischen Steppe, die durch fleißige deutsche Siedler gegründet wurde. Ihre Vorfahren, ihr Geburtsname war übrigens Baierbach, stammen aus Bayern. Heute ist Friedensthal ein toter Ort, kein Deutscher lebt mehr dort. Nur ein Neffe, der eine Russin heiratete, wohnt noch in einem russischen Nachbarort. Ganz stolz war die alte Frau, daß ihre Kinder, Enkel und Urenkel hier alle ordentlich arbeiten.  Am nächsten Tag wurde Gottlieb auf Normalstation verlegt.

Kurz Zeit später lieferte ein anderer Notdienst einen kräftigen, noch relativ jungen, Mann in Arbeitskluft seiner Firma ein. Er sagte, daß er im Brustbereich und im Rücken starke Schmerzen habe. Es war ein Bosnier, der keinen Übersetzer brauchte. Er mußte sofort das volle Untersuchungsprogramm durchlaufen. Er wollte aber unbedingt nach Hause, denn dort machten sich Frau und zwei kleine Kinder Sorgen um ihn. Nun, einen halben Tag mußte er bleiben, so daß ich mit ihm ins Gespräch kam. Er sei Bosnier und kommt aus Mostar, der Staat mit der bekannten alten Brücke (Weltkulturerbe). In Deutschland arbeitet er schon 25 Jahre, davon war er nur 2 Monate arbeitslos. Heute ist er Maschinenführer bei einem bekannten Schlauchlieferanten (Zulieferer auch für die Automobilindustrie). „Aber weißt Du, was mich heute am meisten in Deutschland aufregt, das Getue um die Asylanten. Ich sehe nicht ein, daß ich diese große Masse mit meinen Steuergeldern durchfüttere,“ sagte er, der Bosnier. Er nannte sogar die Zahl von 94 Milliarden für die nächsten 2 Jahre. Weil bei ihm nichts Besorgniserregendes gefunden wurde, zog er sein Arbeitsklamotten wieder an, schüttelte mir zum Abschied die Hand und wünschte mir gute Besserung. Er sagte mir, daß sein Vater Christ und seine Mutter Muslimin war, er mit Religion nichts am Hut habe, gern sein Bierchen trinke, aber Schweinefleisch nicht mag.

Fazit dieser Geschichten, Augen auf, auch in einer eigenen unerfreulichen Situation kann man dazulernen, wenn man nur genau beobachtet.

J.H.

2 responses to this post.

  1. Posted by AFD-Wählerin on 27. Juli 2016 at 18:55

    Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht und bei der Gelegenheit wünsche ich baldige Genesung und gute Erholung.
    Ich habe es auch schon häufig erlebt: Die Osteuropäer, vor allem diejenigen, die in Deutschland arbeiten und wissen, wie hart die Arbeit ist und wie viele Steuern und Abgaben der Staat kassiert, haben kein Verständnis dafür, dass massenhaft Menschen aus Messer- und Machetenkulturen nach Deutschland gelockt und hier auf höchstem Niveau versorgt und betreut werden. Sie jedenfalls möchten dafür nicht mitbezahlen, ebenso wenig für EURO- und Banken-Rettungen. Irgendwie ticken die noch richtig, während viele Deutsche von einem sozialistischen Paradies träumen, in welchem auch ohne Arbeit und Anstrengung Wohlstand und Platz für alle ist. Strom und Geld kommen aus der Steckdose, Terrorakte sind tragische Einzelfälle, kommt nur alle herbei.

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    • Posted by Maria S. on 27. Juli 2016 at 19:42

      Sehe ich genau so.
      Die Visegrad-Staaten haben mehr vernünftige Menschen, die auch weitsichtig denken können, als wir.

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