Kohl, Vater der Wiedervereinigung? Eine Geschichtslüge?


Angesichts des Todes von Helmut Kohl werden jetzt in allen Gazetten nur noch Lobeshymnen gesungen. Aber mit einer Verklärung wird man seiner geschichtlichen Rolle bei der Herstellung der Einheit zwischen BRD und DDR nicht gerecht. Weder auf den Mauerfall noch auf die Wiedervereinigung war die Kohlregierung vorbereitet. Nach dem Fall der Mauer, als es sich abzeichnete, daß die Wiedervereinigung nicht mehr aufzuhalten war, stellte sich Kohl ein Konförderationsmodell zweier deutscher Staaten vor. Diese Vorstellung ließ er aber schnell fallen und ergriff dann den Mantel der Geschichte, während der Gegenspieler Lafontain (damals noch SPD) die Wiedervereinigung, ebenso wie die Grünen, verhindern wollte. Auf den fahrenden Zug der Volksbeweung in Mitteldeutschland zum richtigen Zeitpunkt aufzuspringen, ist der geschichtliche Verdienst Kohls.

Dazu unser Beitrag auf dieser Seite 2012:

In einem bemerkenswerten Interview mit der Financial Times Deutschland erklärt der polnische Arbeiterführer Lech Walesa, daß weder Kohl noch Genscher auf die Wiedervereinigung vorbereitet waren. Als Walesa 1989 Genscher fragte, ob die Kohlregierung auf den Fall der Berliner Mauer und den Untergang des Sowjetreiches vorbereitet sei, hat dieser geantwortet, „das wird zu unseren Lebzeiten nicht passieren“. Als dann ein paar Stunden später die Mauer fiel, trauten sie sich nicht einmal mehr ihre eigenen Flugzeuge zu benutzen. Diese Politiker sind nur zufällig Väter des Mauerfalls, sie wurden von den Massen auf den Straßen zum Handeln gezwungen.

Leider kann der Verweis des Interviews von Walesa in der Financial Times Deutschland nicht mehr aufgerufen werden, weil es diese Zeitung nicht mehr gibt.

 

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2 responses to this post.

  1. Posted by Maria S. on 17. Juni 2017 at 7:44

    Nachdem in der DDR alles runtergewirtschaft war und der Aufbau sehr viel Geld kostet, musste Deutschland diese finanzielle Aufgabe übernehmen. Wäre die DDR in gutem Zustand gewesen, wäre es nie zu der Wiedervereinigung gekommen.
    Wenn ich an Kohl denke, fällt mir zuerst die Globalisierung und der Euro ein. Möglicherweise war sich Kohl seinerzeit nicht bewusst, welchen Schaden er damit unserem Land anrichtet. Jetzt dürfen wir die Zockerverluste der südländischen Banken retten.

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  2. Posted by Uranus on 17. Juni 2017 at 1:04

    Kohl hatte seinerzeit keine Skrupel, sich mit fremden Federn zu schmücken, indem er so tat, als wäre der Mauerfall sein Verdienst gewesen. Aber mindestens einen echten „Verdienst“ konnte sich Kohl tatsächlich zuschreiben: Er ist offiziell dafür verantwortlich, daß die D-Mark im Verhältnis 1:1 in der dahinscheidenden DDR einführt wurde, womit er den sofortigen Zusammenbruch der gesamten bis dahin noch einigermaßen leidlich funktionierenden DDR-Volkswirtschaft auslöste, was ihn aber keineswegs daran hinderte, irgend etwas von blühenden Landschaften zu faseln.

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