In Coronazeiten beim Frisör


Während der „Coronavirus“ wütet, hat man sich beim Frisör vorher anzumelden, seit dies unser Landesvater wieder erlaubte. Ein vernünftiger Haarschnitt hat ja auch so etwas mit Kultur zu tun. Es sollen nicht alle Bayern wie Waldschrate rumlaufen. Termin zusammen mit Frau vereinbart. 9.30 Uhr! An der Glastür des Salons kleben allerlei Verhaltenshinweise. Maske auf und rein! In die Liste eintragen, Frau kommt sofort dran. Ich staune, in der Wartezone für Männer sitzt schon einer (nur noch ein Stuhl wegen der Vorschriften) und einer steht. Ich bin auf die Minute pünktlich, aber die kommen noch vor. Unangemeldet, der Meister hat sein Lokal für die Männer bereits gelockert. Wer kommt ist dran, so die Reihenfolge. Meine Frau bittet aber um einen Sitzplatz für mich (ich kann kaum länger stehen). In der Bearbeitungszone für Frauen bekomme ich einen zugewiesen, die Männerzone immer im Blick. Die zwei Unangemeldeten kommen vor mir dran, akzeptiert. Dann geht aber die Tür auf und weitere strömen rein. Aber „Hallo“ rufe ich aus der Ecke, vergesst mich nicht. Eine junge Friseuse  (Frisörin, was ist eigentlich richtig?) wäscht mir den Kopf und verpasst mir die gewollte Frisur. Maske muß ich auflassen, mit Geschick umkurft sie mit ihrer Schere dennoch meine Ohren. Wegen zusätzlicher Waschvorschrift kostet der einfache Männerhaarschnitt nun 21,50 Euro plus Trinkgeld. Die Prozedur meiner Frau dauert länger. Die Wartezeit überbrücke ich in einem Cafe nebenan. Maske auf, eine Tasse Kaffee an der Theke abholen, mit Abstand an einen freien Tisch hinsetzen. Hinter mir eine Gruppe junger türkischer Frauen, vor mir zwei Ehepaare mit slawischer Sprache. Irgendwie langweilig, allein am Tisch herumzuhocken. Maske auf, vorn an der Theke eine Zeitung kaufen. Zur Auswahl nur die Bildzeitung und der Dingolfinger Anzeiger (der liegt schon zuhause rum). Also Bild, 1 Euro. Die große Zeitung schön ausgebreitet auf dem Tisch mit wichtigen Nachrichten. Drei Seiten für den Besuch der Kaiserin bei ihrem Kronprinzen auf Schloss Herrenchiemsee. Die zweite Weltnachricht, das Manifest des Waldrambos aus dem Schwarzwald. Eine ganze Seite für diese Räubergeschichte. Ich gebe zu, war für mich etwas interessanter als die Hurra-Rufe von Söder auf seine Merkel. Sportseite ist auch wichtig, niemand kann Alaba von Bayern München bezahlen. 20 Millionen Euro aufwärts? Endlich kommt meine Frau, ich erkenne sie trotz Maske, sie erlöst mich von diesem ganzen Schmarrn. Ab nach Hause in unser Dorf! J.H.

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2 responses to this post.

  1. Posted by Uranus on 18. Juli 2020 at 10:09

    Unter dem Aspekt des Corona-Gedudels sei auf die Möglichkeit hingewiesen, sich eine Fris… – also sich eine Fachkraft für die Pflege des Kopfhaares und die Gestaltung der Frisur, die auch Hausbesuche macht, nach Hause oder an einen anderen geeigneten Ort zu bestellen. Das habe ich kürzlich selbst so gemacht und ich muß sagen, das war genial. Mundschutz? In gegenseitigem Einvernehmen haben wir darauf verzichtet. Abstandsregel? Die übrigen Mitglieder der Familie saßen wie sonst auch auf der Couch in dem Abstand, den die Couch nun mal hatte. Selbstverständlich ohne Mundschutz.

    Der Vorteil: Im Gegensatz zu einem stationären Friseursalon, dessen Standort den amtlichen Kontrolleuren und selbsternannten Denunzianten bekannt ist und somit auf Einhaltung der Regeln überwacht werden kann, sind die Hausbesuche der Friseure und das Verhalten im besuchten Haus so gut nicht kontrollierbar. Freie Berufsausübung für freie Bürger in freier Entgegennahme der bestellten Dienstleistung und freier Aushändigung der entsprechenden Gegenleistung!

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  2. Posted by Maria S. on 17. Juli 2020 at 8:37

    Vor Corona gab es noch genügend Sitzplätze beim Friseur. Für die Langeweile gab es Zeitschriften zu lesen. Es war eine entspannte Atmosphäre.

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